MG 6374 1Neben dem aufrechten Gang, dem Nutzen von Feuer sowie dem Herstellen von Werkzeugen, ist die Kommunikation das wohl hervorstechendste Merkmal unserer Spezies. Das Museum für Kommunikation zeigt eine Sonderausstellung rund um das Thema "Gesten".

 

 

Unsere kulturelle Entwicklung ist untrennbar mit der Fähigkeit der schnellen Informationsweitergabe verbunden. Nach John Dewey, einem US-amerikanischen Philosophen und Pädagogen (1859-1952), ist die Evolution der Kommunikation die notwendige Voraussetzung für die Evolution von Gesellschaften.
Heute existieren in 194 Ländern (Nationalstaaten) etwa 6000 Sprachen. Viele Menschen haben sich schon mit dem Ursprung unserer Sprache auseinandergesetzt. Dabei haben die meisten allerdings nur auf  MG 6276 1das gesprochene Wort geachtet. Ein Forscher hat zum Beispiel Kinder in einem abgeschlossenen System aufwachsen lassen, wo sie keinerlei Kontakt zum gesprochenen Wort hatten. So sollte die menschliche Ursprache herausgefunden werden. Da man die Kinder aber nicht nur von dem gesprochenen Wort, sondern auch von jeder Liebkosung und Ähnlichem abschnitt, starben sie recht schnell an mangelnder Fürsorge. Dieser Versuch zeigt, wie wichtig die Körpersprache und körperlicher Kontakt für den Menschen ist.
Das Wort Geste kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und umfasste die  Gesten von Schauspielern oder Rednern. Heute wird die Geste allgemein als die Rede begleitende Gebärde verstanden.
Das Kommunikationsmuseum zeigt in seiner Ausstellung „Gesten“, wie sich die Körpersprache über die Jahre entwickelt hat und was in der Zukunft mit Gesten möglich sein kann.
Die Gesamtleitung des Projektes hat Frau Professor Ellen Fricke von der TU Chemnitz. In Zusammenarbeit mit Ars Electronica Futurelab und dem Sächsischen Industriemuseum wurde diese Ausstellung schon in Berlin und Chemnitz gezeigt. Sie soll nicht nur eine wissenschaftliche Sichtweise des Themenkomplexes zeigen, sondern auch die künstlerische.
Die Ausstellung empfängt einen mit einer neuartigen Variante eines Spiegels. Erdacht und entwickelt wurde das Objekt vom israelisch-amerikanischen Künstler Daniel Rozin. Das „Wooden Mirror“ benannte Werk  MG 6274 1spiegelt in gekippten Holztäfelchen die Gesten der Besucher wider. Geht man näher ran, spiegelt er sogar den Gesichtsausdruck. Zusätzlich bekommt man von den freundlichen Mitarbeiter*innen vor Ort eine kleine Einführung über den Aufbau der Ausstellung und über die technischen Ausstellungsstücke. Die Ausstellung ist in drei Bereiche gegliedert: Gestern, Heute und Übermorgen.
Im ersten Bereich „Von der Geste zum Gestenlexikon“ werden die Besucher*innen an die Grundlagen der Gestenforschung und Gesteninterpretation herangeführt. Woher einige Gesten kommen und wie sie sich über die Jahre hinweg entwickelt haben. Zum Ursprung der Gestik werden einige Handwerke (z. B. Weberei) vorgestellt, an denen man sich auch gerne selbst einmal versuchen darf. Am Beispiel des Telefons wird gezeigt, wie sich die Gestik durch Neuerungen im Alltag entwickelt hat. Wenn man die Ausstellung zu zweit besucht, kann man sich mit einem alten Wählscheibentelefon anrufen und in einem Spiegel beim Telefonieren beobachten. Sie soll dem breiten Publikum Wissenschaft erfahrbar machen, so Frau Professor Fricke.
Im zweiten Abschnitt „Vom Handgriff zur Gestensteuerung“ sind die Steuerung von Objekten und der aktuelle Einsatz von Gesten MG 6327 1 das zentrale Thema. Hier finden sich die gängigen Gesten des deutschen Alltags mit ihrer Bedeutung. Es gibt einen Abriss über die aktuelle Forschung und eine sehr detaillierte Aufzeichnung über die Gestik beim Sprechen: von der Ruheposition über die Aufbauphase zum Bewegungshöhepunkt und dann über die Rückzugsphase zurück zur Ruheposition. Hierfür wurde ein Beispielsatz genommen, unter dem eine Kurve für den Verlauf der Gestenphasen mit Handmodellen, welche die Gestik anzeigen, gesetzt wurde. Als nette Ergänzung findet sich hier auch ein Gestenwörterbuch, in welchem man sich zu einem Wort eine entsprechende Gestik ansehen kann. Ganz witzig ist auch das Rätsel, welcher Satz zu den gezeigten Gesten gehört. Können Sie an Hand der Gestik erkennen, welcher Teil der IKEA-Anleitung gemeint ist? Oder man steuert per Handgeste ein Flugzeug über die Landschaft, ein Werk von Ars Electronica Futurelab.
Im dritten Abschnitt „Übermorgen“ wird der Frage nachgegangen, wie die menschliche Hand durch Werkzeuge, Maschinen sowie Roboter MG 6363 1 heute und in Zukunft ersetzt oder erweitert werden wird. Das dritte Segment  beschäftigt sich damit, wie der Mensch mit der Technik jetzt schon  interagiert und welche Möglichkeiten die Gestensteuerung für die Zukunft bereithält.
Es gibt interaktive Installationen, geschichtsträchtige Exponate und Kunstwerke zu bestaunen. Das Konzept der Ausstellung ist darauf ausgelegt, dass die Besucher*innen etwas mitmachen können und ein Erlebnis haben, frei nach einer bekannten Werbebotschaft „Mittendrin statt nur dabei“. Insgesamt gesehen besticht diese Schau durch die Vielfalt der Ausstellungsstücke und die Einbeziehung der Besucher*innen.


Die Einrittspreise betragen:
Eintritt bis 18 Jahre 1,50 EUR
Eintritt ab 18 Jahre 5 EUR
Ermäßigter Eintritt Inhaber des Kulturpass
Eintritt frei ICOM-Mitglieder, Inhaber von Museumsufercard, Museumsufertickets, Begleitpersonen von Gruppen & Schulklassen
Aktion „freitags frei!“ freitags freier Eintritt für Schulklassen & Gruppen


Die Ausstellung kann man noch bis zum 23. Februar 2020 besuchen.

 

Text und Fotos: srs und LuP

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen