Teaserbild„Wir haben den George Clooney unter den Sauriern hier,“ lockt der Ticketkontrolleur noch im Foyer des Museums. Aha? Tatsächlich ist das weltweit elfte Fossil des Urvogels Archaeopteryx auch eine Sensation.

 

 

Es wird als Leihgabe in einer kleinen abgedunkelten Schatzkammer präsentiert. Diese befindet sich in Frankfurt im größten Naturkundemuseum Europas. Besucher – und das sind vorwiegend Schulklassen und Familien - können die Geschichte der Evolution auf einer Fläche von 6000 m² mit 10.000 zum Teil weltweit einzigartigen Exponaten in attraktiven Ausstellungen erleben.


 MG 9579Das Gebäude ist in den Jahren 1904-1907, nach den Plänen des deutschen Architekten Ludwig Neher, außerhalb der Frankfurter Innenstadt aufgebaut worden. In unmittelbarer Nähe befindet sich die erst 1914 gegründete Johann Wolfgang Goethe-Universität. Bauherrin und bis heute Trägerin war und ist die Sencken­berg Gesellschaft für Naturforschung, die nur indirekt auf die Stiftung von Johann Christian Senckenberg aus dem Jahr 1763 zurückgeht. Ideengeber war 1816 der Universalintellektuelle Johann Wolfgang von Goethe, der schon bald reiche Freunde und viele Bürger mit der Idee eines Natur­kundemuseums begeisterte und für die ersten Spenden sorgte.
„Von Goethe geweckt, vom Volke begründet, zu forschen, zu lehren, Natur und Volk zu verbinden, das ist 'Senckenbergs' Ursprung, Weg und lebendiger Wille! In selbstloser Hingabe hat Geschlecht um Geschlecht daran gearbeitet. Bedrohten Stürme der Väter Gründung so scharten sich die Bürger zu ihrem Schatz und opferbereite Helfer traten hervor als Erhalter des Werks“ heißt es auf einer Mamortafel im Treppenhaus. Darüber schwebt ein Pottwal-Modell „Moby Dick“ als Versprechen auf eine neue Ausstellung zur Tiefsee. Überall im Museum finden sich Hinweise auf Ausstellungs/ -Erweiterungs­pläne und Aufrufe zu Spenden: „Was soll ich denn im Wal-Saal?“ fragt ein Schild neben dem Modell eines Elefanten mit dem Hinweis, dass dieser sich schon seit 103 Jahren im Senckenberg befindet und wohl keinen anderen Platz gefunden hat. Die Palette der Ausstellungsthemen reicht von der Fauna und Flora längst vergangener Zeitepochen bis zur Geologie und Entwicklung der Erde und die Vielfalt der heutigen Lebewesen. Über Millionen von Jahren wird der Wandel der Lebensräume deutlich sichtbar gezeigt. 

 MG 9471Das Senckenberg ist aber auch ein For­schungsinstitut. Die Dozenten des Hauses haben mehr als 27 Millionen Sammlungs­einheiten aus Paläontologie, Botanik, Zoologie, Paläoanthropologie, Meeresbio­logie, Gewässer- und Landschaftskunde zu bieten. Wissenschaftler Senckenbergs sind mit zahlreichen Forschungsprojekten auf der ganzen Welt unterwegs. Sie leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur Bewahrung einer lebenswerten Umwelt. Diverse Sonderausstellungen zu wechselnden Themen, Vorträge und Events ergänzen neben dem erlebenswerten museumspädagogischen Programm die Dauerausstellung des Museums. Hunderte Schulkinder und Familien werden pro Tag über drei Etagen geführt. Geduldig hören sie zu und sind verrückt danach, über die gewaltigen Fußabdrücke der Dinosaurier zur zentralen Attraktion im Lichthof zu gelangen: Hier können sie sich die dumpfen Urlaute der Riesen anhören und Echsenfuß, Schild- oder Rahmenkopf-Dinosaurier per Knopfdruck am Bildschirm in Bewegung setzen.

 MG 9520Ein besonderer Publikumsmagnet ist, vor allem bei Kindern seit den Filmreihen „Jurassic Park“ und „Nachts im Museum“, die Präsentation der Dinosaurierskelette. Diese Vielfalt an gut erhaltenen, verstei­nerten Fossilien des Erdmittelalters ist die umfangsreichste in Deutschland. Es sind meisterlich präparierte Monster, mit langen Zähnen und großen Krallen, größtenteils ergänzt durch Abgüsse der Originale. Manches Kind greift ehrfürchtig nach einen schützenden Arm. Museumsmitarbeiter vermitteln geduldig zwischen den Dinosauriern und den furchtsamen Besuchern. Postiert vor dem räuberischen Tyrannosaurus Rex, dem wehrhaften Triceratops oder dem einfältig aussehenden Diplodocus, lassen sie ihre Finger an den knochigen Beinen entlanggleiten oder schieben die Hand zwischen auseinanderklaffende Rippen hindurch. Anfassen ist erlaubt und schnell ist es mit der Ehrfurcht vorbei, die Kinder gehen auf die Dinos los: Berühren, streicheln, beklopfen, anhauchen, nach oben starren - sechs Meter hoch über dem Boden schwebt der Kopf eines Sechs-Tonnen-Monstrums. Besucher können auch einen Vulkan zur Eruption bringen oder Planeten durchein­anderwirbeln - der Themenüberblick des Museums reicht von der Entstehung unseres Sonnensystems, Evolution der Pflanzen, von Wirbellose- und Wirbeltieren, der Entste­hung und Evolution des Menschen und Themen wie das Weltnaturerbe Grube Messel.
Hier wird der Spieltrieb geweckt: An einer Konsole des Naturkundemuseums Berlin mit dem Titel „Die Beste der möglichen Welten“ versuchen auch Erwachsene die Erde vor Wasser, Licht und Trockenheit zu beschützen. Die Hände fliegen über die Spielfläche, jeder will die höchste Punktzahl und schnell mal eben die Welt retten.
In einem Nebenraum werden Konservierungsmethoden dokumentiert: Wie in einem Labor des Herren Frankenstein befinden sich in Gläsern Kleintiere, Zungen, Mageninhalte und Genitalien. Schautafeln erklären, wie und mit welchen Mitteln seit Jahrhunderten Lebensmittel, Menschen und Tiere „haltbar“ gemacht werden. Ganz besondere Attraktionen sind immer Sonderausstellungen wie: Korallenriffe – Bedrohte Schätze der Ozeane, die noch bis Ende 2019 läuft.

AnimationEine neue Virtual Reality-Anwendung ver­wandelt von der Galerie den Lichthof des Senckenberg Museums seit März 2018 in ein tropisches Jurameer mit Fischsauriern und Urzeittieren. Der Einsatz moderner Computertechnik ist zwar leider nicht interaktiv, intensiviert aber die Begegnung mit den Sauriern. Wasser flutet den Raum und ermöglicht dem Besucher, das Eintauchen in eine andere Zeit, umschwärmt von Ammoniten und Raubfischen. Damit ihm dabei nicht schwindlig wird, haben die Programmierer der Firma Infografen vorsorglich zwei Playmobil-Figuren und einen Lichtkreis am Boden in die Anwendung integriert. Frei nach dem Motto „diese Realität ist nur ein Trick Deines Gehirnes“. Die Nutzungsgebühr für die VR-Brillen beträgt zwei Euro für Erwachsene und ein Euro für Schüler und Studenten.

 MG 9541Die Jubiläums-Sonderausstellung „Faszi­nation Vielfalt“, die noch bis zum 12. Januar 2020 läuft, zeigt den Besuchern einen Teil von rund 40 Millionen Objekten aus 200 Jahren Forschungsgeschichte. Etwa 1000 biologische und geologische Objekte in einer riesigen Wandvitrine laden die Besucher ein, mehr über das „System Erde“ und die sogenannte Geo­biodiversitätsforschung zu erfahren. Das Ausstellungskonzept wurde mit Bronze für seine gute Gestaltung ausgezeichnet. Die Ausstellung kann nur in Verbindung mit der Dauer­ausstellung besichtigt werden: Zehn Euro für Erwachsene, fünf Euro für Kinder und Jugendliche (6 - 15 Jahre) sowie 25 Euro für Familien (zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder). Zurzeit entsteht ein Erweiterungsbau des Naturmuseums, in dem auch ein neu zu errichtendes Planetarium integriert sein soll. Das Senckenberg Naturmuseum bleibt, ist und wird ein Ort zum Staunen.

 

Text: Pet, rub
Fotos: Pet, die-infografen.de
Datum: Februar 2019

 

 

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