Teaser 001Die Ausstellung „Bunte Götter“ zeigt nun zum zweiten Male im Liebieghaus die Farbenpracht der Antike eingebettet in die Ausstellung der bekannten weißen Mamorfunde.

 

 

 

Die ersten belegten Untersuchungen der antiken Kunstwerke auf Farbigkeit hat ein Physiker und Chemiker durchgeführt. In überlieferten Texten wie in einer Anekdote von Plinius dem Älteren ist die Farbigkeit antiker Statuen belegt: Auf die Frage, welche seiner Arbeiten ihm am besten gefalle, soll ein Bildhauer gesagt haben: „Diejenige, an die Nikias (berühmter Maler) Hand angelegt hat.“ Antike Texte belegen nicht nur die Farbigkeit der Skulpturen, sondern können auch als Hilfsmittel genutzt werden, um die Farben an Statuen, Reliefen und Bauten zu rekonstruieren. Als besonders informativ gilt hierbei die „Naturalis historia“ von Plinius dem Älteren. Genauere Informationen erhalten die Forscher natürlich über die Untersuchung der gefundenen Originale. UV- und Infrarotlicht sind die Hilfsmittel, die es ihnen ermöglichen, das mit dem bloßen Auge nicht Erkennbare sichtbar zu machen. Oft finden sie aber keine eindeutigen Farbrückstände auf den Originalen und müssen nun versuchen, das Kunstwerk mit Hilfe von Datierung und von Schriften über die damals populären Modefarben zu rekonstruieren. Aus den erhaltenen Ergebnissen wird dann über ein 3D-Scan ein 3D-Druck erstellt. Dieser wird bemalt, um Variation 001eine Rekonstruktion zu erhalten. Diese sind kein Ersatz für die Originale, sondern bieten für die Forscher wertvolle Zusatzinfor-mationen. Auf diese Weise entstehen zu einem Original mehrere rekonstruierte Varianten.

Die entstandenen Rekonstruktionen sind im Liebieghaus ausgestellt. In einem Video erklärt der Kurator und Archäologe Vinzenz Brinkmann seine Arbeit und erläutert den Disput um die Frage der Farbe bei antiken Kunstwerken, der sich vom 19. Jahrhundert bis heute fortsetzt. Als Grund für die Ablehnung bunter Statuen und Tempelbauten vermutet man den Gedanken und den Glauben an die Überlegenheit des weißen Mannes.

 

Grabstatur 001Die Griechen haben ihre Gräber mit Statuen der Verstorbenen verziert. Da sie die Kunst bei den Ägyptern studiert haben, weisen diese Grabstatuen dieselbe Haltung auf wie die Pharaonen. Auch die blaue Farbgebung des Schamhaares haben die Griechen übernommen. Da die Friedhöfe der Griechen und der Römer an den Straßen vor den Toren der Städte gelegen haben, hat die Farbe dafür gesorgt, dass man die Statue auch aus großer Entfernung und während einer relativ zügigen Reisegeschwindigkeit gut erkennen konnte.

 

Gladiatoren 1 001Die Skulpturen in den Heiligtümern sind genutzt worden, um die Mythen von Göttern und Helden zu erzählen. Für die Lesbarkeit weit oben an Tempelbauten, aber auch für die Lebensnähe, die man mit den Bronzestatuen erreichen wollte, ist die Farbe unabdingbar gewesen. In der Ausstellung kann man die Darstellung der Legende um den Faustkampf von König Amykos und Pollux betrachten. König Amykos, Sohn des Poseidon, hat Pollux, Sohn des Zeus, zum Faustkampf aufgefordert. Der Grund dafür variiert je nach Überlieferung: die Betretung oder das Verlassen eines Herrschaftsgebietes, ein Trinkversuch vom verbotenen See oder das Durchqueren einer Passage. In jeder Variante hat Pollux mit unterschiedlichem Ergebnis gewonnen. Die dargestellte Variante zeigt den Sieg Pollux und dessen Forderung, dass Amykos niemanden mehr im Faustkampf umbringen dürfe und seinen Cestus ablegen müsse.

 

Die große Kunstfertigkeit der Antike zeigt sich ganz besonders an einer Rekonstruktion der schönen Helena. Sie trägt ein rosafarbenes Kleid, über dem ein türkisfarbener, transparenter Stoff liegt.

 

caligula 001Ab 470 v. Chr. sind die ersten individuellen Gesichtszüge erkennbar geworden. Seit der Regentschaft von Augustus haben sich Kopien des Kaiserportraits in Marmor oder Bronze auf öffentlichen Plätzen befunden. Die Untertanen haben diese Kopien selbst finanziert und so ihre treue Ergebenheit zum Kaiser gezeigt. Teil der Ausstellung ist der Kopf von Kaiser Caligula, von dem drei mögliche farbige Rekonstruktionen gezeigt werden. Die Darstellung zeigt Caligula im jungen Alter seines Regierungsantritts. Er ist der einzige Kaiser gewesen, der kein weiteres Bildnis von sich hat machen lassen. Der Kopf weist die seit Augustus kaisertypische Frisur auf, die ihn als Mitglied der julisch-claudischen Familie kennzeichnet. Die Frisur und die Ähnlichkeit zu dem Bildnis seines beliebten Vaters sind ein deutliches Zeichen seiner Legitimation als Erbe des Kaisertitels. Heute sind fast nur noch Köpfe des Caligula zu finden, da sein Nachfolger seine Statuen hat zerstören lassen. Die einen sind zerstört und die anderen zu Darstellungen des Augustus oder Calligulas Vater umgearbeitet worden, aber fast nie zu seinem Vorgänger Tiberius.

 

Die bunten Rekonstruktionen stehen in der allgemeinen Skulpturenausstellung des Liebieghauses. So kann man sie im Vergleich mit den weißen Statuen auf sich wirken lassen und sogar selbst nach Farbresten, die an einigen Funden sichtbar sind, suchen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, da sich der Umfang der Ausstellung seit seinem ersten Besuch 2008 im Liebieghaus um das 3fache erweitert hat. Die Ausstellung läuft noch bis zum 17. Januar 2021.

 

Autor: srs

Fotos: srs, bek

Datum: Oktober 2020

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