Art 1Im Art Foyer der DZ-Bank findet zur Zeit eine Ausstellung der renommierten Fotokünstlerin Katharina Sieverding statt.

 

 

 

Wegen der Verzögerungen durch die Corona-Krise ist es die erste Ausstellung in diesem Jahr, die in diesem Haus eröffnet wurde. Nach einer langen Schließungszeit wurde sie bis zum 22. August 2020 verlängert. Der Besucher erhält die Möglichkeit, sich großformatigen, geradezu monumentalen Werken zu nähern und sich von ihnen beeindrucken zu lassen.

 

Katharina Sieverding – noch während des 2. Weltkrieges auf die Welt gekommen – war zunächst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, ging 1964 nach Düsseldorf, um bei Teo Otto in der Bühnenbild-Klasse und danach ab 1967 bei Joseph Beuys zu studieren. 1972 schloss sie als Meisterschülerin ihr Studium ab.

 

Das Abenteuer mit der Fotografie begann für Art 2sie am Anfang der 70-er Jahre. Ausgangspunkt war die Auseinander- setzung zwischen der Düsseldorfer Kunstakademie und dem damaligen Wissenschaftsminister in Nordrhein-Westfalen Johannes Rau, die am Ende in der Schließung der Beuys-Klasse gipfelte. Sieverding hielt die begleitenden Umstände dieses Konflikts dokumentarisch fest. Das Dokumentarische der Fotographie war das Ursprüngliche, das Künstlerische folgte erst später. Danach wurde die – oft verfremdete und bearbeitete – Fotografie zu ihrem bevorzugten und fast ausschließlichen künstlerischen Ausdrucksmedium. Die Künstlerin war in den 70-er und 80-er Jahren bei mehreren documenta-Ausstellungen vertreten, gestaltete in den letzten Jahrzehnten immer wieder die Biennale in Venedig mit.

 

Art 3Das Kennzeichen ihres Schaffens sind die oft überwältigenden Ausmaße ihrer Werke („Lifesize“- Bildrahmen), die den Zuschauer gleichsam in die Bilder „hineinziehen“. Durch ihre Erfahrung als Bühnenbild-Studentin erschafft die Künstlerin mit ihnen quasi die Kulissen, vor denen sich in einem imaginären Bühnenraum das Geschehen abspielt. Das Gesehene ist auf den ersten Blick oft nicht entzifferbar und deutbar, da die Photographien manchmal farblich verfremdet, zu Collage-artigen Zusammenballungen komponiert oder aber durch überraschende Mehrfachbelichtungen in neue, ungewohnte Sinnzusammenhänge überführt werden.

 

Durch die Montage mehrerer BildebenenArt 4 und Belichtungen zu einem konzentrierten künstlerischen Statement gelingt es Sieverding neben rein ästhetischen Aspekten auch politische oder historische Komponenten der Welterfahrung erlebbar zu machen. Oft verwendet sie vorgefundene Bilder („Found Footage“), die in der Öffentlichkeit bereits bekannt sind, oder Pressefotos und kombiniert sie in „Sinnschichtungen“ mit eigenen Aufnahmen. In derzeitiger Ausstellung ist eine Arbeit hervorzuheben, bei der die Darstellung des Berliner Holocaust-Mahnmals von einer Aufnahme eines Modells des Konzentrationslagers Sachsenhausen überlagert wird. Ein anderes Beispiel ist die Überblendung des Bildes der Reichstagskuppel über dem Plenarsaal von einem historischen Foto des Konzentrationslagers Dachau. Auf diese Weise wird deutlich, wie Geschichte die Gegenwart durchdringt.


Besonders eindrucksvoll ist die Montage einer Aufnahme des größten syrischen Flüchtlingslagers mit einem Bild von Technikern, die ein russisches Kampfflugzeug mit Bomben bestücken. Auf eine geradezu teuflisch-tragische Weise wird uns vor Augen geführt, wie das Schicksal der Opfer untrennbar mit dem Wirken der Täter verzahnt ist.

 

Einen weiteren Themenkomplex, den die Künstlerin thematisiert, stellen unter anderem Selbstbildnisse dar, die Reflexionen über Identität, die Abgrenzung von „weiblich“ und „männlich“, Geschlecht und Zugehörigkeit ermöglichen.

 

Die DZ-Bank ist bekannt für ihre bedeutende Sammlung moderner (Foto-)Kunst, die turnusmäßig der Öffentlichkeit im Art Foyer präsentiert wird. Auch jetzt ist ihr mit einer renommierten und engagierten Künstlerin eine interessante und empfehlenswerte Ausstellung gelungen.

 

 

ART FOYER
DZ BANK Kunstsammlung
Platz der Republik
60325 Frankfurt am Main

 

Öffnungszeiten: Di. bis Sa. 11 bis 19 Uhr
Eintritt frei

 

Text: pis
Fotos:dwa
August 2020

 

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