teaser 1Die US-Amerikanerin Cady Noland, eine der noch lebenden und einflussreichsten Künstlerinnen der Gegenwart, stellt im Frankfurter MMK (Museum für Moderne Kunst) aus. Eine außergewöhnliche Werkschau.

 

 

 

Susanne Pfeffer, seit Anfang des Jahres Direktorin des MMK, hat in Zusammenarbeit mit Cady Noland eine kraftvolle Werkschau gestaltet.  Die Künstlerin,  Noland 2 die sich seit über zwei Jahrzehnten dem Ausstellungsbetrieb entzogen hat, stellt nun in Frankfurt rund 80 ihrer Werke im MMK aus. Die 1956 in Washington, DC. geborene Installations­künstlerin beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Absperrarchitekturen, Gewalt in der Gesellschaft und im medialen Raum sowie mit den Ikonen des US – amerikanischen Alltagslebens.

Cady Noland stand unversöhnlich der Kunstwelt gegenüber. 2011 sagte sie sich von ihrem Werk „Cowboys Milking“ los, als es bei Sotheby`s versteigert werden sollte. Was einen Rechtsstreit und eine Diskussion darüber auslöste, ob ein Künstler sich so einfach von seinem Werk lösen kann. Vor Gericht setzte sich schließlich ihre Sicht der Dinge durch und verursachte einigen Unmut in der Kunstszene.

 

Die Installationen der Kunstschaffenden wurden mit einigen Werken aus der Sammlung des MMK in Dialog gesetzt. Zum Beispiel Werke des 2005 verstorbenen Malers, PerrinoKonzeptkünstlers und Musikers Steven Parrino oder von Kenneth Noland – ein bedeutender Farbfeldmaler und Cady Nolands Vater. Einige Wände in den Räumen des Museums wurden absichtlich freige­lassen, was den Exponaten und deren Inszenierung eine besondere Kraft verleiht. Die weißen, sterilen Räumlich­keiten und die spitz zulaufende Architektur des Hollein – Baus verstärken die Präsenz und Wirkung der Ausstellung.

 

Nolands Arbeiten machen wirkungsvoll begreifbar, worauf der „American Dream“ fußt, nämlich der zunehmenden Maßlosigkeit der reifen Gesellschaft. Dazu inszeniert sie zum Beispiel Weißwandreifen an Ketten, die sich als Galgen interpretieren lassen. Maschendrahtzaun und raumteilende Stahlstangen symbolisieren die Aus- und Abgrenzung, die Grenzziehung zum Fremden und Un­bekannten. Fast allgegenwärtig treffen die Besuchenden auf die amerikanische Flagge. Eine kalte gelochte Stahlwand, die an einen mittelalterlichen Pranger erinnert. Mit Ihren Objekten führt die Künstlerin den Betrachter durch den „Amerikanischen Traum“ und seziert ihn dabei.

 

Unerbittlich demontiert sie den Mythos über die Siedler des 19. Jahrhunderts, die für ihren Drang nach Freiheit, dem Versprechen auf Land, die Ureinwohner treppe mit Ausgrenzung, ihrem Leben und dem Verlust ihrer Lebensweise bezahlen ließen. Dies ist das blutige Fundament des „American Dream“. Cady Noland setzt sich mit der Regenbogenpresse auseinander, die zum Teil das Privateste veröffentlicht – ohne Rücksicht auf die Konsequenzen für das bloßgestellte Individuum – und dabei scheinbar keine moralische Grenze mehr kennt.

 

All dies führt die Künstlerin dem Betrachter mit ihren Werken eindrücklich vor Augen. Sie richtet ihren Blick auf die Brutalität und Banalität der pistolsamerikanischen Gesellschaft. Obwohl alle ausgestellten Installationen schon in den 80er und 90er Jahren entstanden sind, haben sie nichts an Aktualität verloren. Man könnte sagen, sie ist „am Puls der Zeit“. Selbst wer zeitgenössischer Kunst kritisch gegen­übersteht, sollte sich diese seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen und die Ausstellung unbedingt besuchen.




 

 

Text: LuP
Bilder: LuP (Bilder und Links bitte anklicken für Fullscreen)
Februar.2019

MUSEUM MMK

Domstraße 10
60311 Frankfurt am Main
Die Ausstellung kann noch bis zum 31.03.2019 besucht werden

 

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