Home

Teaser 1Im Frankfurter Kunstverein präsentieren Yves Netzhammer, Theo Jansen und Takayuki Todo auf ihre eigene künstlerische Art und Weise die beziehungsreiche Interaktion zwischen Individuum und digitaler Welt.

 

 

Längst haben wir uns daran gewöhnt, nicht nur von Mensch zu Mensch zu kommunizieren. Die digitalen Schnittstellen begegnen uns überall: Handy, Computer, Tablet oder Spielkonsolen. Zudem haben sich dadurch auch neue Sprachen – Leetspeak, verschiedene Programmiersprachen - und neue Ausdrücke - Binärcode, einige Chatkürzel – entwickelt.
Und doch gibt es für uns noch einen deutlichen Unterschied, ob wir miteinander oder mit einer Maschine kommunizieren. Denn bisher sind die Maschinen,Einleitung nur in der Lage, wörtlich korrekt auf unsere Äußerungen zu reagieren. Sie sind unfähig, auf menschliche Art und Weise mit uns zu kommunizieren, da ihnen Stimmlage, Mimik und Gestik noch fremd sind. Ein Erkennen von Ironie oder Sarkasmus ist für sie undenkbar. Was, wenn die Maschine auf einmal in der Lage wäre, auch auf der emotionalen Ebene mit uns zu kommunizieren? Mit dieser Frage beschäftigt sich Franziska Nori, die Museumsdirektorin des FKV immer wieder. So ist es auch nicht überraschend, dass sie die drei Künstler Yves Netzhammer, Theo Jansen und Takayuki Todo zur Ausstellung "Empathische Systeme" eingeladen hat.

Natürlich gibt die Ausstellung keine konkrete Antwort auf diese Frage. Allerdings lernt man dort drei verschiedene Interpretationen kennen. Die Künstler zeigen ihren sehr individuellen, künstlerischen und fast schon symbolischen Blick auf die Aspekte des Umgangs mit der modernen Kommunikation und künstlichen „Lebensformen“.

 

Der gelernte Hochbauzeichner Yves Netzhammer greift in seinen Arbeiten auf humanoide Körper als Material zurück. Der Künstler verbindet Grafiken, Videoinstallationen, Computeranimationen, SpiegelungAReflektionen miteinander. Bernd Schurer, ein Klangkünstler, unterstreicht mit seinen Sounds den Effekt der Arbeiten Netzhammers; mal harmonisch und dann wieder als ein nicht zuzuordnendes Geräusch. Glatte Oberflächen und das verletzliche Innen und Außen der Figuren sind zentrale Punkte in den Werken des Künstlers. Sich einlassen auf das Gegenüber und sich einfühlen: dieses unklare Empfinden versucht der Künstler in eine Bilderwelt zu überführen. Unterschiedliche Schaffensphasen von Yves Netzhammer werden den Besucher*innen präsentiert. Darunter auch die Installation, mit der er und Christine Streuli 2007 die Schweiz bei der 52. Biennale in VenedigYves vertraten. Spiegelungen in transparenten Flächen, zweidimensionale Zeichnungen, die in den dreidimensionalen Raum überführt werden, kinetische Objekte, die an einzelne Gliedmaßen von Puppen erinnern – Netzhammer reduziert in seinen Werken ineinanderfließende Motive, sich wiederholende Bruchstücke auf der Suche nach neuen „Gefühlsausdehnungen" - wie die Künstler es nennen.

 

 

Theo Jansen, ein niederländischer Künstler, verbindet in seinem Schaffen Kunst, evolutionistische Bionik und Ingenieurswissenschaften. Seit 1974 macht er als Künstler auf Strand bearbsich aufmerksam und widmete sich ursprünglich nur der Malerei. 1980 ließ er eine „fliegende Untertasse“ über Delft fliegen, was große Aufregung auslöste. Seit den 90ern entwickelt er kinetische Skulpturen basierend auf einem von ihm  geschriebenen Computerprogramm. Er erschafft mit seinen Geschöpfen neue Lebensformen. Seine „Strandbeests“ sind nahezu autonom und werden von Windkraft angetrieben. Am Strand sind diese künstlichen Wesen in der Lage, sich selbstständig gegen Windböen und Wellen zu behaupten, mit ihren Fühlern können sie ihre Umwelt wahrnehmen und falls nötig die Richtung ändern. In gewisser Weise sind seine Skulpturen also lebendig.Strand 2 Seine „Lebewesen“ entwickelt er stetig weiter, laut eigener Aussage sind die Kreaturen in der siebenten Evolutionsstufe. Es sind faszinierende Skulpturen, die Jansen zum Leben erweckt. Irgendwo zwischen Kunst, Zukunftsvision und Wissenschaft. 2005 erhielt er den renommierten Prix Ars Electronica, und 2016 lud die NASA Theo Jansen zu einem Think Tank ein, um mögliche autonome Maschinen für zukünftige Weltraummissionen zu erörtern. Der Künstler und Physiker genießt mit seinen kinetischen Geschöpfen weltweit hohes Ansehen.

 

Der studierte Kunsttheoretiker und Kritiker Takayuki Todo interessiert sich in seinen Arbeiten für die Darstellung bewusster Emotionen, die ein Mensch erzeugen kann. Das Geschöpf „Seer“, progammiert von Takanari Miisho,Seer2 bearb das Schaltungs- und Elektronikdesign stammt von Yoko Koyama, ist eine künstlerische Arbeit von Takayuki Todo. Bei diesem Roboterkopf geht es für den „Erschaffer“ um die Bedeutsamkeit des Blicks und der Mimik in Interaktion mit Menschen. Es ist der künstlerische Aspekt der wissenschaftlichen Arbeit Todos. „Seer“ wurde in Europa und Nordamerika auf zahlreichen Kunstfestivals und Konferenzen präsentiert. Große Beachtung und Anerkennung fand der künstliche Kopf in den Fachbereichen Robotik und Informatik. Er reagiert mittels eingebauter Kamera und einer Vielzahl kleiner Elektromotoren. Wenn man mit „Seer“ interagiert, kommt man nicht umhin, eine gewisse Empathie gegenüber diesem „Wesen“ zu entwickeln. Das kleine Geschöpf hebt und senkt die Augen, Brauen und Lider. „Seer“ reagiert direkt auf sein menschliches Gegenüber und es entspinnt sich ein mimischer Dialog zwischen Mensch und Roboter. Die grundlegendste Form der Kommunikation, der Blickkontakt,Seer steht hier im Mittelpunkt. Der „Simulative Emotional Expression Robot“, wie Todo sein kindlich anmutendes Wesen bezeichnet, hat keine eigenen Gefühlsregungen, sondern reagiert auf sein Gegenüber: Es reproduziert das Existierende. „Seer“ hat keine ethnischen oder geschlechtsspezifischen Merkmale. Dieser kleine Kunstkopf schafft es, dass man als Mensch eine gewisse Verbundenheit empfindet. Man vergisst, dass es ein Roboter und kein lebendiges Wesen ist.

 

Man sieht, dass jeder Künstler sich dem Thema auf eigene Weise angenähert und es interpretiert hat. Yves Netzhammer stellt die Gestik in den Mittelpunkt seiner Werke. Hierbei reißt er sie oft aus dem Sinnzusammenhang, um zu verdeutlichen, wie leicht es zu Missverständnissen kommen kann. Auch weist er auf die zerstörerische Kraft dieser Missverständnisse hin. Theo Jansen hingegen dreht den Spieß um. Er zeigt dem Betrachter die Möglichkeit von sich autonom bewegenden, uns fremden Lebensformen auf. Takayuki Todo wählt noch eine andere Form. Zum einen zeigt er mit seinem Kopf, dass er die Bewegung der Augen mit ihren Lidern sowie die Bewegung des Kopfes für die wichtigsten Aspekte der Mimik hält. Zum anderen ist der Betrachter in eine stumme Interaktion mit diesem Roboterkopf eingebunden. Dies kann man als einen Schritt in Richtung der persönlichen Roboter verstehen, welche schon häufig in Animes thematisiert werden.

Wollen wir Menschen den Kurs in Richtung fühlender und autonom denkender Maschinen beibehalten oder nehmen wir lieber Abstand? Auf diese Frage kann jeder der Besucher durch die Einzigartigkeit dieser Ausstellung eine Antwort finden.

Die Ausstellung kann noch bis einschließlich 08.09.2019 besucht werden.

 

Text und Foto: srs und LuP

09.2019

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen