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Die Schirn TeaserFrankfurt präsentiert einen Ausnahmekünstler, John Michael Armleder. Eine Werkschau, die den Besucher*Innen bewusst die Interpretation des Gesehenen überlässt.

 


Der aus der Schweiz stammende Kunstschaffende trat Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts erstmals als Künstler in Erscheinung. Mit Musik, die von John Cage beeinflusst war, und Happenings machte er auf sich aufmerksam. Während seines Studiums an der Ecole des Beaux-Arts in Genf kam er mit der Fluxus-Bewegung (Kunstrichtung) in Kontakt und beteiligte sich an verschiedenen Aktionen. Mit zwei Jugendfreunden gründete er 1969 die Fluxus- „Groupe Ecart“ (Ecart französisch für Lücke). Nach dem Dadaismus (Kunstrichtung) ist Fluxus eine Attacke auf das Kunstwerk im eigentlichem Sinne, was als bürgerlicher Fetisch abgelehnt wird.

Ende der 70er Jahre entfernte sich Armleder von der Bewegung und begann sich in seiner Malerei am Minimalismus zu orientieren. Als er dann in den Achtzigern die „Furniture Sculptures“ entwickelte, wandte er sich den Fragen des Ready-Made zu. Eine Kunstrichtung, die es auch schon im Dada gab, in der Alltagsgegenstände nicht oder kaum verändert, präsentiert und zum Kunstobjekt erklärt werden.
Beispielsweise brachte er ein Wandregal und fünfzig Stühle, vorher bei einem Altmöbelhändler erstanden, in eine benachbarte Galerie. Dort wurde diese als Werk FS 172 MG 5591 1 ausgestellt. Armleder kombiniert in seinen Rauminstallationen oft gebrauchte Möbelstücke und seine abstrakte Malerei. Seine Werke wirken mitunter stilwidrig und entziehen sich dem auch nicht.
Mit Sylvie Fleury und seinem Sohn Stéphane gründete er 2004 das Plattenlabel „Villa Magica Records“. Heute lebt er mit der Künstlerin Sylvie Fleury am Rande von Genf.

 

Die Ästhetik seiner Arbeiten hat noch immer eine starke Nähe zum Dada und Fluxus. Auch in dieser Ausstellung entdeckt man immer wieder die Interaktion zwischen Ironie, Pathos, Kunst, Leben und allem was uns umgibt.

In der Rotunde empfängt eine Installation aus spiegelnden Discokugeln die Besucher*innen. Durch die vielfältigen, ständig wechselnden MG 5545 1 Lichtbrechungen und Reflektionen in den Kugeln, scheint der Rundbau ein Eigenleben zu entwickeln. Von dem man selbst ein Teil werden kann. Dies ist auch eines der Leitmotive in seinem Schaffen. Ihn interessiert, dass die Realität die gleiche Identität hat wie die Imitation der Realität. Wie er es in einem Interview ausdrückt: „Alle Werke haben mehr als eine Identität“. Für Armleder ist ein Wesenszug der Kunst, dass ein Werk beim Betrachter*In die Beachtung bekommt, die es weder vorher noch nachher hat. Seiner Auffassung nach ändert jedes Kunstwerk seine Identität durch die Kombination mit anderen Werken, durch das Präsentieren in einer veränderten Ausstellungssituation und erst recht, wenn beides geschieht. Ein Beispiel dafür ist die Installation der natürlichen und künstlichen Pflanzen, deren wahren „Natur“ nicht auf den ersten oder zweiten Blick erkennbar ist. Oder der Flokati Teppich, der wirkt, als sei irgendetwas nicht fertig geworden.

 

Die Ausstellung ist ein Rundblick seines Schaffens und kombiniert ältere Werke mit neuen. Großformatige Ölgemälde, die sich durch die spezielle Herstellungstechnik MG 5561 1 auszeichnen. Farben verschiedener Konsistenz lässt er über die Leinwand laufen und lässt der Chemie ihren freien Lauf. Das Ergebnis dieses Prozesses ist nicht vorhersehbar. Alte Möbel, Stahlrutschen, oder Neonröhren – vieles scheint zufällig, vergessen, unfertig und ist doch sorgsam in Szene gesetzt. Was die Betrachter*Innen in den Werken sehen – oder auch nicht – ist abhängig vom aktuellem Gemütszustand, Laune oder Hintergrundwissen. Die Werke erfüllen die Ausstellung mit einem ständigen Pendeln zwischen Kitsch und Stil, Schrott und Anmut, Ironie und Ernsthaftigkeit.

Armleder lädt dazu ein, sich selbst ein Bild zu machen und im Kopf entstehen zu lassen. Aus seiner Perspektive kann und will er darauf keinen Einfluss nehmen.

 MG 5601 1

„Ich kann mein Werk nicht definieren. Es funktioniert jedes Mal anders, für jeden einzelnen Betrachter, und so verbinden sich verschiedene Ebenen der Wahrnehmung. Ich mag noch immer die Idee von der Arbeit als Event.“
( John M. Armleder)

 

 

Die Ausstellung in der Schirn Frankfurt können Sie noch bis zum 02. September 2019 besuchen.

 

Text und Fotos: LuP
August'2019

 

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